Marc Marquez

Marc Marquez ist auch nach seinem siebten WM-Titel noch lange nicht fertig … Zoom

Liebe Leser,

normalerweise finden Sie an dieser Stelle eine Kolumne über unseren persönlichen Verlierer des vergangenen Rennwochenendes. Heute jedoch nicht. Heute lassen wir – in guter Tradition – niemanden “schlecht schlafen”. Stattdessen wollen wir uns heute – wie immer, wenn ein neuer Weltmeister gekrönt wurde – mit dem Mann befassen, der in der letzten Nacht wohl am besten geschlafen hat.

Dabei ist der Titel dieser Kolumne heute wirklich rein metaphorisch zu sehen, denn ich persönlich glaube ehrlich gesagt nicht, dass Marc Marquez in der letzten Nacht überhaupt ein Auge zugemacht hat. Dass er den Titel ausgerechnet beim Honda-Heimspiel in Japan perfekt gemacht hat, dürfte die Nacht nämlich noch länger gemacht haben, als sie wohl ohnehin geworden wäre.

Wenn ich den siebten WM-Titel des gerade einmal 25-Jährigen mit einem Wort zusammenfassen müsste, dann wäre es “verdient”. Denn seien wir mal ganz ehrlich: Einen echten WM-Kampf gab es in diesem Jahr eigentlich nicht. Zu gut war Marquez, zu wenig Konstanz zeigten seine Gegner. Anders als im Vorjahr, als Andrea Dovizioso den Kampf bis Valencia offen halten konnte, war der Titel 2018 nie wirklich in Gefahr.

Marquez’ Leistungen verdienen Respekt

Natürlich kann man nun herrlich darüber spekulieren, was gewesen wäre, wenn Dovizioso in dieser Saison nicht so oft gestürzt wäre. Was gewesen wäre, wenn Jorge Lorenzo auf der Ducati schneller seinen Speed gefunden hätte. Was gewesen wäre, wenn Yamaha seine Elektronikprobleme in den Griff bekommen hätte. Eine Liste, die sich durchaus noch ein bisschen weiterführen ließe.


Fotostrecke: Alle MotoGP-Weltmeister seit 2002

Doch auch im MotoGP-Paddock findet das Leben nun einmal nicht im Konjunktiv statt. Und so muss man einfach anerkennen, dass Marc Marquez ein absolut verdienter Weltmeister 2018 ist. Man muss den Spanier nicht mögen. Aktionen wie in Argentinien sorgen dafür, dass man ihn hin und wieder auch zurecht kritisieren darf. Doch seine sportliche Leistung in diesem Jahr muss man respektieren.

Ich persönlich finde es schade, dass das nicht überall auf Welt der Fall ist. Aber dieses Fass möchte ich an dieser Stelle nicht erneut aufmachen – das habe ich bereits nach Mugello getan. Ich bin der Meinung, dass jeder MotoGP-Fan die Leistungen von Marc Marquez’ in diesem Jahr anerkennen muss. Aber ich kann und will auch niemandem verbieten, das nicht zu tun. Schließlich leben wir in einem freien Land.

Weitere WM-Titel fast sicher

Marquez selbst wird es ohnehin egal sein, dass sich nicht jeder über seinen Titelgewinn freut. Er ist nicht in diesen Sport zu kommen, um Freunde zu finden. Er will Rennen gewinnen, Titel sammeln und Rekorde brechen. Genau das tut er. Und mit sieben WM-Titeln – davon fünf in der Königsklasse – ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht. Ich bin mir sicher, dass er noch weitere WM-Pokale holen wird.


Fotos: Marc Marquez, MotoGP in Motegi


Zur Erinnerung: Marquez ist erst 25 Jahre alt. Vielleicht wird er nicht so lange in der WM fahren wie ein Valentino Rossi, doch rund zehn Jahre dürfte er – ohne größere Verletzungen – locker noch vor sich haben. Natürlich ist der Rennsport ein schnelllebiges Geschäft. Wer heute ganz oben steht, kann morgen bereits in der Krise stecken. Gerade bei Yamaha wird man wissen, wovon ich rede.

Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass Marquez und Honda in den kommenden Jahren einen so großen Leistungsabfall erleben werden. Bis 2020 ist Marquez noch an die Japaner gebunden. Man kann also fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass der Spanier auch in den kommenden beiden Jahren wieder um den Titel mitkämpfen wird. Was danach kommt, das ist aktuell offen.

Zenit noch lange nicht erreicht

Ich selbst würde Marquez ab 2021 gerne bei einem anderen Hersteller sehen. Denn klar ist auch, dass es seine Karriere noch einmal auf ein anderes Level heben würde, wenn er mit zwei verschiedenen Marken Weltmeister werden könnte. Vielleicht wird Marquez das irgendwann zu einem Wechsel verleiten. Vielleicht auch nicht. Vielleicht wird er auch bis zu seinem Karriereende für Honda fahren.


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Langweilig wird es für ihn bei den Japanern zumindest auch 2019 nicht, wenn er mit Jorge Lorenzo einen neuen Teamkollegen bekommt. Ohne Frage ein zusätzlicher Ansporn für den Weltmeister – falls er überhaupt noch einen braucht. Denn auch mit jetzt fünf MotoGP-Titeln in sechs Jahren hat man nicht den Eindruck, dass Marquez in irgendeiner Form träge oder müde wird – im Gegenteil.

2018 hat der Spanier vermutlich härter als je zuvor gearbeitet und seine Fähigkeiten auf einem MotoGP-Bike noch einmal auf ein neues Niveau gehoben. Die vielleicht spannendste Frage lautet aktuell daher, wo die Grenzen für diesen Marc Marquez liegen. Sowohl auf dem Motorrad als auch in den Geschichtsbüchern der Weltmeisterschaft. Seinen Zenit scheint der Spanier nämlich noch lange nicht erreicht zu haben.

Ihr

Ruben Zimmermann

Ruben Zimmermann