(Motorsport-Total.com) – Die MotoGP-Premiere in Thailand hätte für Michelin zum Desaster werden können. Weil die Franzosen die Temperaturen in Buriram falsch antizipiert hatten, waren drei der vier mitgebrachten Mischungen des Hinterreifens im Rennen für einige Teams komplett unbrauchbar. Außer Aprilia-Pilot Aleix Espargaro entschieden sich ausnahmslos alle Piloten am Sonntag für den harten Hinterreifen.

Marc Marquez

In Buriram mussten (fast) alle Fahrer den harten Hinterreifen verwenden Zoom

Honda-Fahrer Dani Pedrosa verriet nach dem Rennen sogar, dass er den harten Pneu gegen seinen Willen verwenden musste. “Wir hätten mehr Optionen haben sollen”, findet auch Honda-Kollege Cal Crutchlow. Der Brite erinnert: “Normalerweise sieht man es nicht, dass alle mit dem gleichen Reifen fahren.” Doch wie konnte es zu dieser für Michelin unglücklichen Situation kommen?

Hintergrund ist das seit dieser Saison verwendete Auswahlsystem für die Reifen. Bereits im Februar legte Michelin im Voraus für alle 19 Grands Prix die Mischungen fest. Das führte in Thailand dazu, dass die Franzosen nicht die optimalen Reifen dabei hatten. “Wenn wir die Entscheidung jetzt hätten treffen müssen, oder vor zwei Wochen, dann wäre sie anders ausgefallen”, gestand Michelin-Manager Piero Taramasso bereits am Wochenende.


Fotos: MotoGP in Buriram


Im Februar ging man nämlich noch davon aus, dass es in Buriram im Oktober deutlich kühler sein würde. Stattdessen wurde man von Lufttemperaturen von mehr als 30 Grad überrascht. Die Folge: Die Soft- und die beiden Medium-Mischungen waren für das Rennen keine echte Alternative mehr. “Ich denke, dass sie in einer schwierigen Situation sind”, grübelt Crutchlow und fragt sich: “Woher wollen sie [im Februar] wissen, wie die Temperaturen werden?”

Letztendlich sei die Situation in Thailand “okay” gewesen. “Aber stellt euch mal vor, sie hätten keine hitzebeständigen Reifen gebracht”, ergänzt Crutchlow und warnt: “Dann hätte gar keiner fahren können. Die [Reifen], die wir beim Test [im Winter] verwendet haben, haben sie nicht mitgebracht, weil sie wussten, dass wir damit nicht fahren können. Stellt euch vor, sie hätten die harte Mischung nicht mitgebracht. Dann hätten wir große Probleme gehabt.”

Trotzdem möchte man bei Michelin auch 2019 an dem System festhalten und die Mischungen für alle Rennen frühzeitig festlegen. “Wir haben mit der Dorna bereits darüber gesprochen”, verrät Taramasso und erklärt: “Momentan wollen wir bei dem System bleiben. Wir möchten es nicht jedes Jahr wieder ändern. Es stimmt, dass es in zwei oder drei Fällen nicht perfekt war.” Er hofft jedoch, dass es 2019 “mit mehr Erfahrung” besser läuft.