Chantra enttäuscht: Honda stellt asiatische Nachwuchsstrategie infrage

(Motorsport-Total.com) – Die schwache Leistung von Somkiat Chantra in seiner ersten MotoGP-Saison, kombiniert mit dem Mangel an geeigneten asiatischen Nachfolgern, zwingt Honda dazu, seine Strategie im Rahmen des Idemitsu-Projekts zu überdenken.

Titel-Bild zur News: Somkiat Chantra

Somkiat Chantra bleibt in der MotoGP klar hinter den Erwartungen zurück
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Idemitsu ist ein japanisches Ölunternehmen, das die Entwicklung junger asiatischer Fahrer fördert, von der Asia Talent Cup bis hin LCR-Honda unter der Leitung von Lucio Cecchinello.

Die Idee klingt auf dem Papier gut, aber ihre Umsetzung erweist sich als deutlich schwieriger als ursprünglich erwartet, insbesondere in einer Phase, in der Honda bestrebt ist, die Leistungslücke zu Ducati zu schließen. Eines der vier RC213V-Bikes einem Fahrer anzuvertrauen, der den Ingenieuren kein verwertbares Feedback zur Weiterentwicklung liefern kann, erscheint da nicht als die beste Strategie.

Rückt Honda vom asiatischen Nachwuchs ab?

Und so wird Chantras mangelnde Wettbewerbsfähigkeit zunehmend zu einem Problem. Motorsport.com, eine Schwesterseite von Motorsport-Total.com, hat erfahren, dass sie die Honda-Führung dazu veranlasst hat, die Verpflichtung, das LCR-Bike mit einem asiatischen Fahrer zu besetzen, zu überdenken.

Chantra ist derzeit verletzt und wird an diesem Wochenende in Brünn von Takaaki Nakagami ersetzt, genau dem Fahrer, den er auf dem sogenannten “asiatischen Entwicklungsbike”, das weitgehend eigenständig betrieben wird, abgelöst hatte.


Fotostrecke: Die Karriere-Highlights von Somkiat Chantra

Chantra wurde zur Lösung, nachdem sich Ai Ogura umorientiert hatte. Der Moto2-Weltmeister entschied, sich aus dem Einflussbereich von Honda zurückzuziehen, bei dem er den Großteil seiner Karriere verbracht hatte, und schloss sich dem Trackhouse-Team an, um mit Aprilia sein Debüt in der Königsklasse zu geben.

Die Verpflichtung gegenüber Idemitsu zwang Honda dazu, weiter unten in der Liste asiatischer Kandidaten zu suchen, und so kam Chantra ins Spiel, dessen Werdegang in den kleineren Klassen weitaus weniger beeindruckend ist als der von Ogura. Er beendete die Saison 2024 auf Platz zwölf, 170 Punkte hinter Ogura.

Zwar schrieb er als erster thailändische Fahrer in der MotoGP Geschichte. Wenn sich nichts grundlegend ändert, was angesichts seiner aktuellen Knieverletzung unwahrscheinlich ist, wird Chantras Zeit in der MotoGP 2025 jedoch wohl enden.

Chantras Rückstand ist einfach zu groß

Denn die Stoppuhr spricht eine deutliche Sprache. Beim letzten Grand Prix, an dem er teilnahm – in Assen – kam er 49 Sekunden hinter Sieger Marc Marquez ins Ziel und 25 Sekunden hinter LCR-Teamkollege Johann Zarco. Er wurde nur deshalb nicht Letzter wie in den Rennen davor, weil Aleix Espargaro ihn vorbeiließ.

Der 15. Platz brachte Chantra zwar seinen ersten Punkt, doch das reicht bei Weitem nicht aus. Seine Leistungen sind seit Langem ein Thema, nicht nur, weil die Ingenieure mittlerweile nur noch mit den Daten von drei Maschinen arbeiten, sondern auch, weil die Sponsoren, insbesondere jene im LCR-Umfeld, unzufrieden sind.

Zu dem eklatanten Rückstand kommt auch eine spürbare Nachlässigkeit in grundlegenderen Bereichen seiner Vorbereitung hinzu, etwa beim Trainingspensum, das deutlich hinter dem zurückbleibt, was von einem MotoGP-Fahrer erwartet wird.

Moto2-Pilot Diogo Moreira ein möglicher Kandidat

Als Honda ihn verpflichtete, war man sich bewusst, dass keine sofortige Performance zu erwarten war. Doch niemand rechnete mit einem derart großen Rückstand. Sein Vorgänger Nakagami fuhr sieben Jahre in der Königsklasse, nachdem er 2018 debütiert hatte. Zwar gelang ihm nie ein Podestplatz, doch schon in seiner ersten MotoGP-Saison erreichte er bei einem Regenrennen in Valencia Platz sechs.

Drei vierte Plätze sowie regelmäßige Top-8-Ergebnisse in den Jahren 2019 und 2020 zählten zu seinen Höhepunkten. Bei Chantra ist es hingegen fast schon illusorisch, auf ähnliche Ergebnisse zu hoffen, weshalb Honda bereits Alternativen für 2026 sondiert, selbst wenn dies auf Kosten anderer Interessen geht.

Angesichts der Tatsache, dass Jorge Martin frühestens 2027 zu HRC kommen könnte, prüfen die Honda-Verantwortlichen derzeit mehrere Szenarien. Joan Mir steht bis 2026 beim Werksteam unter Vertrag, während Luca Marinis Vertrag im Dezember endet. Seine Leistungen könnten ihm aber eine Verlängerung einbringen.

Sein Profil würde gut ins LCR-Team neben Zarco passen, vorausgesetzt, Honda findet einen passenden Ersatz für das Werksteam. In diesem Zusammenhang gewinnt auch der Name Diogo Moreira an Bedeutung. Der Moto2-Pilot wird voraussichtlich während der Sommerpause über seine Zukunft entscheiden.