MotoGP-Hersteller fordern Concorde-Agreement wie in der Formel 1

(Motorsport-Total.com) – Die MotoGP-Hersteller haben sich zusammengeschlossen, um einen neuen Rahmenvertrag mit dem Promoter der Serie, Dorna, zu schließen. Ziel ist es, ihren Anteil an den Einnahmen aus den kommerziellen Rechten zu verbessern.

Titel-Bild zur News: MotoGP-Feld

Die MotoGP-Hersteller fordern Kontrolle über Startplätze und Einnahmen
Zoom

Wie Motorsport.com, eine Schwesterseite von Motorsport-Total.com, erfahren hat, trafen sich die Konstrukteure am vergangenen Wochenende beim Grand Prix von Tschechien, unterzeichneten eine Verpflichtungsvereinbarung und bestimmten Lin Jarvis, ehemaliger Yamaha-Direktor, zu ihrem Sprecher und Vertreter.

Gemeinsam mit Massimo Rivola, Präsident der Herstellervereinigung (MSMA), trafen sich Jarvis anschließend mit Carmelo Ezpeleta, dem CEO der Dorna, um den Wunsch der Hersteller zu übermitteln, die Verteilung der finanziellen Mittel, die durch die Meisterschaft generiert werden, in Zukunft zu verbessern.

Die Initiative ging ursprünglich von den Werken aus, doch nachdem die jeweiligen Satellitenteams informiert wurden, gaben auch sie ihre Zustimmung. Die erste Reaktion des Dorna-Chefs soll eher ablehnend ausgefallen sein, allerdings hatten die vereinten Hersteller mit einer solchen Haltung bereits gerechnet.

Nun hoffen sie, dass sich die Positionen nach einer Verhandlungsphase, die beim nächsten Rennen in Österreich Anfang August wieder aufgenommen werden soll, annähern.

“Corcorde Agreement” nach Formel-1-Vorbild

Die Hersteller streben die Einführung eines Dokuments an, das der bekannten Concorde-Vereinbarung in der Formel 1 ähnelt. Diese regelt die Verteilung der Einnahmen aus den kommerziellen Rechten der Formel 1 unter den Teams.

Obwohl der genaue Inhalt der Concorde-Vereinbarung vertraulich ist, weiß man, dass der Vertrag festlegt, wie viel Geld je nach Platzierung am Saisonende ausgeschüttet wird. So kann der Unterschied zwischen einem vierten und fünften Platz in der Gesamtwertung mehr als zehn Millionen Euro ausmachen.

Zudem erhalten die Teilnehmer rund 50 Prozent der Gewinne. Dieser Anteil kann jedoch abhängig vom Gesamterlös variieren. Die derzeitige Vereinbarung in der Formel läuft zum Ende dieses Jahres aus, doch die nächste – mit einer Laufzeit von fünf Jahren ab 2026 – wurde bereits von allen Beteiligten unterzeichnet.

Die ursprüngliche Concorde-Vereinbarung aus dem Jahr 1981 hatte zu heftigen Auseinandersetzungen in der Formel 1 geführt. Damals ging es darum, den offenen Konflikt zwischen der Federation Internationale du Sport Automobile (FISA) und der Formula One Constructors Association (FOCA) zu beenden.

Mit dem Einstieg von Bernie Ecclestone als Geschäftsführer kam es 1987 zur Erneuerung des Vertrags, nachdem Formula One Management (FOM) gegründet worden war.

Was die MotoGP-Hersteller von der Dorna wollen

Die MotoGP-Hersteller wollen nun einen Dialog eröffnen, um zwei zentrale Punkte zu verbessern, die sie für das von der Dorna geforderte Wachstum als entscheidend erachten.

Der erste Punkt betrifft die Einnahmen aus den kommerziellen Rechten. Derzeit erhalten nur Satellitenteams eine feste Summe von 2,5 Millionen Euro pro eingesetztem Motorrad – insgesamt also fünf Millionen Euro pro Satellitenteam.

Im Fahrerlager vertreten viele die Ansicht, dass es keinen klaren Zusammenhang zwischen dem Gesamterlös der Meisterschaft und den an die Teams ausgeschütteten Beträgen gibt.


Fotostrecke: Die Motorräder und Teams der MotoGP-Saison 2025

Der zweite Punkt betrifft das Eigentum an den Startplätzen, die zur Teilnahme an der Weltmeisterschaft berechtigen. Bislang gehören diese Plätze der Dorna, die sie den Teams für eine bestimmte Dauer zur Verfügung stellt, zuletzt bis 2026.

Die Teams fordern entweder rechtliches Eigentum an den Plätzen oder Garantien, die ihnen mehr Entscheidungsfreiheit geben, ohne vollständig von der Dorna abhängig zu sein.

Dieses Bestreben folgt kurz nach der Übernahme der Dorna durch Liberty Media, die bereits Eigentümer der Formel 1 sind. Der Deal wurde mit 4,3 Milliarden Euro bewertet, wobei der Vertrag vorsieht, dass Ezpeleta weiterhin als CEO fungiert.

Seitdem Libertys Übernahmeabsicht öffentlich wurde, ist das Interesse von Investmentfonds an einem Einstieg bei unabhängigen Teams deutlich gestiegen. Dorna bewertet jedes Team derzeit mit rund 20 Millionen Euro – ein Betrag, der schwer zu rechtfertigen ist, solange der Promoter rechtlich Eigentümer der Startplätze bleibt.