(Motorsport-Total.com) – Die MotoGP wird ab der Saison 2027 einen Schritt zurück machen, was die Topspeeds und damit auch die Rundenzeiten betrifft. Das neue Reglement mit den 850er-Motoren soll die Geschwindigkeiten reduzieren und dazu beitragen, die Königsklasse sicherer zu machen. Viele Traditionskurse kamen hinsichtlich der Auslaufzonen an ihre Grenzen (zudem könnten durch das Regelupdate neue Hersteller hinzustoßen).

Titel-Bild zur News: WSBK Start

Die modernen Superbikes erreichen Leistungen von etwa 250 PS
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Fakt ist aber auch: Wenn die MotoGP langsamer wird, dann muss auch die Superbike-WM einen Schritt zurück machen.

“Wir wollen natürlich die MotoGP an der Spitze haben”, stellt Jorge Viegas, der Präsident von Motorrad-Weltverband FIM, klar. Offen ist, wie die WSBK-Einbremsung realisiert werden soll. Da die Superbike-WM eine seriennahe Meisterschaft ist, gilt eine Reduzierung des Hubraums als ausgeschlossen.

Warum ein Wechsel zum Stock-Reglement gefährlich ist

Jorge Viegas deutet an, dass die technischen Freiheiten in der Superbike-WM reduziert werden könnten: “Die Superbikes sollten Stock-Motorräder mit einigen Änderungen sein.” Doch mehr Seriennähe führt zu einem Problem.

Wenn die Freiheiten der Hersteller und Teams weiter reduziert werden, dann sind Hersteller mit aktuellen Superbikes klar im Vorteil. Mit Blick auf die angespannte Situation im Bereich der Serien-Superbikes wäre das ein riskanter Schritt (Yamaha bietet ab 2025 keine Serienversion der R1 an).

Es gibt aber einige reizvolle Alternativen. Bereits von 2023 zu 2024 wurde die maximale Spritmenge reduziert, was auf Kursen mit hohem Verbrauch zu einer notwendigen Reduzierung der Leistung führt.

Ducati Panigale V4R

Weniger Sprit im Rennen: Ducati musste das Mapping der Panigale V4R anpassen Zoom

Doch dieses Mittel wirkt sich nur auf die Hauptrennen aus. Sprich, eine Einbremsung auf Grund der reduzierten Spritmenge würde die Performance im Qualifying nicht verringern. Und schnellere Polerunden in der Superbike-WM als in der MotoGP gilt es zu vermeiden.

Wird der Spritfluss begrenzt, um die Superbikes langsamer zu machen?

Seit diesem Jahr sammeln die WSBK-Verantwortlichen Erfahrungen mit Spritfluss-Messern. Es wird vermutet, dass der maximale Spritfluss ab der kommenden Saison limitiert wird. Das wirkt sich direkt auf die Spitzenleistung aus.

Alvaro Bautista, Dominique Aegerter

Alvaro Bautistas Ducati verlangt nach mehr Sprit als Dominiqe Aegerters Yamaha Zoom

Motorräder mit hoher Leistung dürfte diese Änderung deutlich härter treffen. Zudem werden Hersteller mit hochdrehenden Motoren benachteiligt, weil diese naturgemäß mehr Sprit benötigen.

Ducati Panigale V4R

Ducati Panigale V4R: Wird die hohe Drehzahl zum Nachteil? Zoom

Die Reduzierung des maximalen Spritflusses wäre aber ein effektives Mittel, um die Performance zu kontrollieren und ältere Superbikes mit geringerer Spitzenleistung näher an die aktuellen Modelle heranzubringen.

Jorge Viegas wurde für eine zweite Amtszeit als FIM-Präsident gewählt

FIM-Präsident Jorge Viegas kündigt baldige Maßnahmen an Zoom

“Sehr bald wird etwas kommen”, verspricht FIM-Präsident Jorge Viegas. “Es muss einen Abstand zwischen MotoGP und Superbike geben. Wir sprechen mit den Herstellern. Bei den Superbikes haben wir mehr Hersteller als in der MotoGP. Es wird eine gemeinsame Lösung geben.”

Marc Bongers

Marc Bongers (BMW) befürwortet geringere Geschwindigkeiten Zoom

Dass die MotoGP und die WSBK eingebremst werden müssen, steht bei den Beteiligten außer Frage. “Es ist ein Fakt, dass viele Strecken nicht mehr für die erreichten Geschwindigkeiten ausgelegt sind”, betont BMW-Motorradsport-Direktor Marc Bongers. “Ich rede hier nicht nur vom Topspeed sondern auch von den Kurvengeschwindigkeiten.”

Die Auswirkungen auf den Technologietransfer MotoGP/WSBK

Gespannt sein darf man, inwieweit sich die Hubraum-Reduzierung von 1.000 cm³ auf 850 cm³ auf den Transfer zwischen MotoGP und Superbike-WM auswirkt. Aktuell verwenden beide Serien ähnliche Kerngrößen. Das wird sich ab der Saison 2027 ändern.

Marco Zambenedetti

Marco Zambenedetti steht im ständigen Austausch mit den MotoGP-Kollegen Zoom

Wir haben bei WSBK-Technikkoordinator Marco Zambenedetti (Ducati) nachgehakt, welche Folgen das neue MotoGP-Format hat. Der Italiener geht nicht davon aus, dass sich viel verändert. “Es gibt ohnehin keinen direkten Austausch an konkreten Teilen. Viel mehr geht es darum, die Technologien zu teilen”, verdeutlicht Zambenedetti auf Nachfrage von Motorsport-Total.com.

Gigi Dall'Igna

Luigi Dall’Igna wartet gespannt auf die Regeländerungen in der WSBK Zoom

Ducati-Rennleiter Luigi Dall’Igna wartet gespannt auf das neue WSBK-Reglement. “Ich rechne damit, dass es auch eine Überarbeitung der Regeln in der seriennahen Meisterschaft geben wird, um den Abstand der beiden Klassen zu bewahren”, bemerkt Dall’Igna gegenüber GPOne.

“Mit der Panigale V4 kommen wir bis auf drei Sekunden an das MotoGP-Bike heran. Das zeigt, wie konkurrenzfähig und schnell unsere Serienmaschinen sind. Natürlich wird es wichtig sein, auch bei den Superbikes die richtige Balance zu finden”, erklärt der Ducati-Corse-Chef.