Liebe MotoGP-Fans,
© Alexander Trienitz
Das Wochenende in Brünn war ein Tiefpunkt von Fabio Di Giannantonio
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die Rückkehr nach Brünn war ein voller Erfolg und ein großes Fest! Nach dem verregneten Freitag waren am Samstag 81.000 Besucher an der Rennstrecke und am Sonntag 95.700. Es ist eine der schönsten Strecken im Kalender und der Old-School-Charme im Wald hat etwas.
Der Pechvogel der Saison ist ganz klar Joan Mir. Entweder stürzt er selbst, weil er mehr aus der Honda herausholen will, als möglich wäre, oder wird unschuldig in Unfälle verwickelt. Ihm ist wirklich zu wünschen, einmal ein reibungsloses Wochenende zu haben!
Für unsere traditionelle Montagskolumne kommen meiner Ansicht nach zwei Fahrer infrage: Alex Marquez und Fabio Di Giannantonio. Beginnen wir zunächst mit Alex Marquez. Mit 120 Punkten Rückstand ist klar, dass die minimale WM-Chance gegen Marc endgültig vorbei ist.
Seit Assen läuft es für den Gresini-Fahrer nicht mehr rund. Als er dort im Sprint hinter seinem Bruder Zweiter wurde, sagte er ganz klar, dass Kurve 5 keine Überholstelle ist. Er hatte nie daran gedacht, dort einen Angriff auf Marc zu starten.
Im Grand Prix hat er es dann dort mit der Brechstange gegen Pedro Acosta probiert. Nach zwei Berührungen zog er den Kürzeren und musste für dieses Manöver mit einem Sturz und einer Verletzung an der linken Hand bezahlen.
Am Sachsenring wurde es im Grand Prix nur Platz zwei, weil Di Giannantonio und Marco Bezzecchi vor ihm gestürzt sind. Das Brünn-Wochenende war für Alex Marquez nun komplett zum Vergessen – null Punkte in beiden Rennen.
Im Sprint war der Start verpatzt, im Grand Prix stürzte er in der Anfangsphase und räumte auch noch den glücklosen Mir ab. Dafür hat er für das Sonntagsrennen in Spielberg eine Long-Lap-Strafe erhalten. Der Punkterückstand auf Marc wird dort wohl noch größer werden.
“Ich habe ein wenig die Konzentration auf gewisse Dinge verloren und einfach Fehler gemacht”, gibt Alex Marquez nach Brünn offen zu. “Wir müssen uns für die Zukunft verbessern. Und ja, es ist eine Erfahrung, aber so etwas kann passieren.”
© Gresini
Seit dem Sonntag in Assen ist der Faden bei Alex Marquez gerissen Zoom
Wie gesagt, seit dem Sonntag in Assen ist bei ihm der Faden gerissen. Wobei ich grundsätzlich lobend festhalten muss, dass Alex Marquez eine fantastische erste Saisonhälfte gefahren ist. Er ist prinzipiell die positivste Überraschung bisher.
Wie er selbst schon oft betont hat, ist aktuell ein zweiter Platz hinter Marc wie ein Sieg. Das stimmt auch, weil Marc der mit Abstand beste Fahrer im Feld ist, wie er es uns jedes Wochenende eindrucksvoll zeigt.
Es heißt so schön: Wenn zwei sich streiten, dann freut sich der Dritte. Als ich im Winter damit gerechnet habe, dass es zum großen Duell zwischen Marc Marquez und Francesco Bagnaia kommen könnte, hätte ich nicht gedacht, dass Alex dieser dritte Fahrer ist, der mitmischt.
Di Giannantonio macht nicht alles aus seinen Möglichkeiten
Stattdessen hatte ich Fabio Di Giannantonio auf dem Zettel. Denn schließlich hat er das gleiche Motorrad wie das Ducati-Werksteam und VR46 hat in diesem Jahr außerdem noch mehr Unterstützung von Ducati – mehr noch als das Gresini-Team.
Aber dann stürzte “Diggia” schon beim Wintertest nach einem Freuden-Wheelie und verletzte sich. Das beeinflusste natürlich sein weiteres Vorbereitungsprogramm. Das sind Dinge, die einem Vollprofi, der eine große Chance auf dem Tablett serviert bekommt, nicht passieren dürfen.
Zwei dritte Plätze in Grands Prix sind mit den grundsätzlichen Voraussetzungen, die der Italiener hat, einfach viel zu wenig. Dass er es nicht mit Marc Marquez aufnehmen kann, ist klar. Aber er müsste konstant vorne dabei sein, um um Podestplätze und mit Alex Marquez kämpfen.
© VR46
Zu selten kämpft Fabio Di Giannantonio wirklich um Podestplätze Zoom
Das ist einfach nicht der Fall. In Brünn funktionierte für “Diggia” überhaupt nichts – Sturz im Sprint und nur Platz 16 im Grand Prix. Klar, ein ganz schlechtes Wochenende kann jeder einmal haben. Aber das war jetzt schon ein Tiefpunkt.
Das ist dem Italiener auch selbst bewusst: “Also kommen wir direkt zur Sache. Ich will keine Ausreden suchen oder so etwas. Natürlich war mein Gefühl mit dem Motorrad nicht fantastisch. Nun, ich übernehme die volle Verantwortung, denn ein Fahrer ist der Anführer des Teams.”
“Er ist derjenige, der Informationen aufnimmt und weitergibt, um die Richtung für das Set-up des Motorrads vorzugeben. Und ich glaube, ich war in meiner Karriere schon deutlich präziser als an diesem Wochenende.”
“Vielleicht lag es an allem, was an diesem Wochenende passiert ist – den Bedingungen, allem eben. Aber ich möchte einfach sagen: Es ist meine Verantwortung, dass wir heute und insgesamt an diesem Wochenende nicht das Paket hatten, um vorne mitzukämpfen.”
Ich finde, das sind starke Aussagen, die ich prinzipiell sehr gut finde. Di Giannantonio spricht immer offen alles aus – egal ob es gut oder schlecht gelaufen ist. Es gibt nie PR-Floskeln, sondern er spricht Klartext. Das muss man ihm hoch anrechnen.
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Sollten Valentino Rossi und “Uccio” das Team personell verstärken? Zoom
Natürlich kann “Diggia” Highlights zeigen und durchaus ab und zu Rennen gewinnen. Aber auf dem Niveau der Marquez-Brüder ist er nicht. Auf dem Sachsenring war er klar der zweitschnellste Fahrer und hat eben Platz zwei durch einen Sturz weggeworfen.
Es gibt aber noch eine andere Sache, die mich beschäftigt und auf die ich noch keine klare Antwort habe: Wie gut ist das VR46-Team eigentlich? Denn das Gresini-Team ist in den vergangenen Jahren einfach besser, und dass trotz geringerer Möglichkeiten.
Deshalb frage ich mich, ob Valentino Rossi nicht auch bei der Struktur des Teams für die Zukunft Veränderungen, personelle Verstärkungen vornehmen sollte. Denn sein Anspruch ist höher als das, was wir aktuell vom VR46-Team sehen.
Euer
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